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Was ist dein Weg?

  • Autorenbild: Aline
    Aline
  • 26. Nov. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Aug. 2022

„Dir stehen doch alle Türen offen“ – ich kann nicht zählen, wie oft ich diesen Satz gehört habe. Wie oft Menschen auf diese Standardantwort zurückgriffen, wenn ich sie um Hilfe anflehte. Um Antworten. Um Rat. Bei der wichtigsten aller Fragen: Woher weiß ich, was ich will? Wie finde ich heraus, welche Tür für mich die richtige ist?

Ich komme der Antwort langsam näher, Stück für Stück. Doch sie ist eine wahre Meisterin des Versteckspiels. Ich kann es ihr nicht verübeln, denn: Wir leben in einer verrückten Welt. Sie ist schnell und global und bunt und – voller Möglichkeiten. Hunderttausende von Möglichkeiten, die nur darauf warten, entdeckt und entfaltet zu werden. Täglich zeigt uns Instagram, was wir alles erleben könnten, welche Erfahrungen wir sammeln, wie wir aussehen, was wir aus unserem Leben machen könnten. Was wir besitzen, welche Orte wir bereisen und welche Partys wir feiern könnten.


Sehr viele Konjunktive.


Aber: Wenn doch das Leben vor Möglichkeiten nur so sprudelt, warum fühlt es sich dann oft so begrenzend an?Irgendwie sind da Ideen, und irgendwie auch ein paar wage Pläne, aber viel mehr Zweifel und Ängste und vor allem: Fragen. Denn – um einer dieser unzähligen Möglichkeiten nachzugehen, müsste man erst einmal wissen, was man will. Wohin man möchte, welche Ziele man verfolgt. Wer man in dieser Welt sein will. Nur: Wie findet man das heraus, in einer Generation, die alles machen kann, aber irgendwie feststeckt im Entscheiden und Sich-Finden? Vielleicht haben wir zu viele Möglichkeiten, vielleicht überfordern sie uns. Vielleicht sind wir nicht gemacht für diesen Ozean an Optionen. Vielleicht verlieren wir in diesem Meer an Chancen genau das aus den Augen, was wir mit ihrer Hilfe eigentlich finden sollten: den richtigen Weg. Unseren Weg. Unseren ganz eigenen. Ich glaube fest daran, dass wir ihn kennen. Schon immer. Spätestens seit unserer Jugend. So wie Paulo Coelho es in Der Alchimist schreibt. Maktub. Es steht geschrieben.

Traurig, aber wahr: Irgendwie verlieren wir dieses Wissen, das einst so tief in uns verankert war. Zumindest vergessen wir es. Irgendwie kommen wir von unserem Weg ab. Vorübergehend, jedenfalls.


Und was, wenn ich mein Maktub bereits verspielt hatte? Der Gedanke verfolgte mich nun seit einigen Jahren und ließ mich nicht mehr los. Er heftete sich an mich. Klebte an mir, legte seine riesigen Hände um meinen Hals – und hin und wieder, wenn ich ihn für einen Moment zu vergessen im Begriff war, drückte er fester zu.

Und überhaupt, das ist doch nicht fair: Niemand bereitet uns darauf vor. Wir lernen in der Schule etwas über biochemische Prozesse und das endoplasmatische Retikulum, aber nichts darüber, wie wir glücklich werden. Wir analysieren Graphen und Statistiken, aber nicht uns selbst. Wir setzen uns mit historischen Berühmtheiten und ihren Lebenswegen auseinander, nicht aber mit unseren eigenen. Schon früh wird uns beigebracht, wie man selbstkritisch denkt und handelt. Aber: Kurse, in denen wir lernen, wie man Selbstfürsorge praktiziert? Fehlanzeige. Gibt das Kerncurriculum nicht her. Niemand erklärt uns, wie wir ihn finden, diesen berühmten „richtigen Weg“.

Das Leben ist verwirrend. Chaotisch. Und ich weiß nicht, woher die Menschen das so einfach nehmen – ihre Ziele. Visionen. Ihre konkreten Pläne. Ihre „Genau-Darauf-Hinarbeiten-Dinge“. Oft scheint es so, als hätte jeder seinen Platz längst gefunden. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, zu wissen, was man will. Aber das ist es nicht. Es ist vielmehr ein Prozess. Eine Reihe ganz vieler kleiner Prozesse. Phasen. Veränderungen. Denn nichts lässt sich jemals erzwingen, die guten Dinge passieren einfach. Und vielleicht ist das ganze Leben die Suche. Vielleicht ist es wahr, was man so oft hört: Vielleicht ist der Weg das Ziel.

Deshalb: spüren, genießen, zulassen – und: beobachten. Zuhören. Hinfühlen. Innen.


Was soll schon passieren, selbst wenn was passiert?



 
 
 

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